Virgil Abloh, Superstar!

Vitra-Ausstellung «Twentythirtyfive»

Der Klassiker von Designer Jean Prouvé (1901-1984) diente als Grundlage für den Stuhl «Antony».

Natürlich trägt er Turnschuhe seines Labels Off-White am Launch-Abend bei Vitra. Leisten kann er sich die 500-Dollar-Treter locker. Schliesslich ist Virgil Abloh, 38, einer der Götter im Kooperationshimmel: Ob Nike, Evian, Gucci oder auch Ikea, der gelernte Ingenieur, Architekt und Harvard-Dozent hat sich neben seinem Job als Chefdesigner von Louis Vuitton, bereits so einiges an Taschengeld dazuverdienen können. Wieviel er für den Vitra-Deal kassierte, bleibt natürlich ein Geheimnis, sicher ist aber schon jetzt, dass das Traditionshaus mit der Kollaboration einen Coup gelandet hat. Denn Abloh ist mit über vier Millionen Instagram-Followern eines der Talente, die die Bekanntheit einer Marke im Handumdrehen steigern und verjüngen können. Das tut selbst Vitra gut, die zwar mit Konstantin Grcic und den Bouroullec-Brüdern immer wieder moderne Designer verpflichten, bis heute aber vor allem für Klassiker wie den Eames-Stuhl bekannt sind. «Virgil hat Zugang zu einer viel grösseren, viel jüngeren Gruppe an Leuten als die, die wir normalerweise ansprechen», sagt auch Vitra-CEO Nora Fehlbaum. Seine Designs seien immer als Kommentierung des Vergangenen zu verstehen, so Abloh selbst. Und ja, er wolle auch dazu beitragen, dass Teenager einen Zugang zu einem Designer wie Jean Prouvé (1901-1984) finden, dessen Arbeit als Grundlage des Stuhls «Antony» diente. Gemäss seiner 97-Prozent-Regel veränderte Abloh wieder einmal nur drei Prozent des ursprünglichen Designs, will heissen: dem Prouvé-Stuhl wurde mit orangener Farbe und Plexiglas-Sitzfläche ein Virgil-eskes Antlitz verliehen. Die Prouvé-Familie gab ihren Segen, wohl nicht zuletzt, weil man merkt, dass Mr. Abloh es ernst meint, mit seinen Absichten. Sowohl mit der Achtung vor der Design-Ikone, als auch in seinem Interesse für die nächsten Generationen.

Virgil Abloh ist Chefdesigner von Louis Vuitton und setzt bei Vitra Zukunftssignale.

«Anfangs war ich skeptisch, ob er genug Geduld aufbringt», sagt Fehlbaum über den Start der Verhandlungen. Abloh, der keine Mails schreibt, geschweige denn telefoniert, erledigt die meiste Arbeit in What’s App-Gruppen und Instagram-Nachrichten – geht schneller. Seine im Londoner «Alaska Alaska»-Designbüro arbeitende Talente sind nicht selten nach der Jahrtausendwende geboren, rekrutiert werden sie gern direkt über Instagram. Für die temporäre Vitra-Ausstellung «Twentythirtyfive» hat er sich nun ausgemalt, wie ein Teenager 2035 leben würde. Reduziert, verspielt und durchaus umgeben von Klassikern. Dabei sei es «dringend notwendig, dass die 17-Jährigen, die keine Ahnung von Kunst- oder Designgeschichte haben, ins Gespräch einbezogen werden, schliesslich wollen wir, dass die Design-Ikonen auch noch von der nächsten Generation wertgeschätzt werden», sagt Abloh und mittlerweile hat er sich soweit entspannt, dass seine Fusssohlen nicht mehr gegeneinander schubbern, wie die eines schüchterner Teenies bei der Matura-Prüfung.

Für die temporäre Vitra-Ausstellung «Twentythirtyfive» hat er sich nun ausgemalt, wie ein Teenager 2035 leben würde.

Reduziert, verspielt und durchaus umgeben von Klassikern.

Dabei sei es «dringend notwendig, dass die 17-Jährigen, die keine Ahnung von Kunst- oder Designgeschichte haben, ins Gespräch einbezogen werden, schliesslich wollen wir, dass die Design-Ikonen auch noch von der nächsten Generation wertgeschätzt werden», sagt Abloh.

Dass die Jüngsten im Publikum sehr genau um den Wert eines Ablohs wissen, zeigte sich dann nach Ende der Veranstaltung: Hipster in Off-White-Shirts stürmten zur Bühne, liessen sich Jutebeutel und Turnschuhe signieren – und stellten sie anderntags bei Ebay rein. Den Vitra/Abloh-Jutebeutel für 999 Euro. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Der Keramik-Block gehört ebenfalls zu den drei limitierten Spin-Offs, die Virgil Abloh für Vitra kreiert hat.