Brutal Love

Architektur-Postkarten aus Zürich

Vielerorts wird behauptet, Sichtbeton strahle per se eine gewisse Kälte aus. Seine rauen Oberflächen, die oft nüchternen Kanten, das eintönige Grau. Warum sollte man also Beton-Gebäuden der 1950er und 60er Jahre überhaupt Aufmerksamkeit, geschweige denn Postkarten widmen? HEARTBRUT wagt den Widerspruch und bringt Zürichs Brutalismus-Architektur in ästhetischer Bildsprache ins Postkartenformat.

Das ZÜRICH BRUT Set umfasst drei Postkarten im A6 Format und zeigt den viel umstrittenen Swissmill-Tower, das Hardau Hochhaus und den Turm des Stadtspitals Triemli.

Der Begriff Brutalismus leitet sich vom französischen béton brut ab und beschreibt in erster Linie den bezeichnenden Baustoff des Baustils: Sichtbeton. Die etymologische Nähe zu «brutal» ist verheerend, wenn man die Vorurteile bedenkt, die den grauen Riesen auf den ersten Blick entgegengebracht werden. Dabei meinten sie es doch nur gut, die Brutalisten, und hatten den sozialistischen Traum von bezahlbarem, grosszügigem Wohnraum für die Gesellschaft der Nachkriegszeit vor Augen. Ein Widerstand gegen die aalglatten Glasfronten der Hochhäuser in den internationalen Metropolen, die zur gleichen Zeit aus dem Boden zu spriessen begannen.

Sending brutal love from Zürich

Für Karin Hunter Bürki, Gründerin des Projekts HEARTBRUT, ist es die absolute Weigerung zu gefallen, die den Brutalismus so faszinierend macht. Die Präsenz, die die Gebäude mit ihrer starken Geometrie haben und die Härte und Sinnlichkeit, die da aufeinandertreffen. Bereits Ende 2018 brachte sie eine erste Postkarten-Kollektion namens «Brutalist Beauties» heraus, die sich zum Überraschungserfolg entwickelte. Die Reedition ZÜRICH BRUT vereint drei ikonische Zürcher Beton-Hochhäuser aus drei Jahrzehnten und zeigt den Swissmill-Turm in Schwarz-Weiss sowie die markanten Türme Hardau und Triemli.

Der Swissmill Tower ist das jüngste Gebäude in der ZÜRICH BRUT Reihe. 2016 war die Aufstockung von 40 auf 118 Meter abgeschlossen und machte den Turm zum höchsten Kornspeicher der Welt.

Die markanten Hardau-Türme im Zürcher Kreis 4 sind in der Hochhaus-Boom-Phase der 1970er Jahre entstanden. Der Gebäudekomplex umfasst vier Häuser.

Ein Bau, der polarisiert: Das ehemalige Personalheim des Triemli-Spitals wurde 1955 von den Architekten Esther und Rudolf Guyer entworfen und 1966 fertiggestellt.

Bereits in seinen Anfängen liess sich der Brutalismus nicht ausschliesslich in seinem baulichen Kontext lesen. Die gesellschaftliche Haltung, die die Themen der Zeit auf architektonischer Ebene verhandelte, schwang stets mit – jedes Gebäude ein Statement. HEARTBRUT hat es sich zum Ziel gemacht, dieses Gefühl durch die Postkarten zu vermitteln. Weniger Konformität und Perfektion, mehr Herz und Mut – und das aus Zürich!

Wer Zürich von seiner brutalistischen Seite kennenlernen möchte, kann dies am Stadtrundgang im Rahmen des Kreislauf 345 Events tun, der dieses Wochenende in Zürich stattfindet.