Kompostierbare Architektur aus dem Drucker

Architekt Arthur Mamou-Mani

«Conifera» von Arthur Mamou-Mani wurde an der Mailänder Möbelmesse in Kooperation mit dem Fashionlabel COS präsentiert.

Wie eine geometrische Wolke, leicht und lichtdurchlässig, breitete sich das Gebilde im Hof des Palazzo Isimbardi, einem Mailänder Stadtpalasts aus dem 16. Jahrhundert, aus. «Conifera», benannt nach einer Baumart, betörte die Besucher der vergangenen Mailänder Möbelmesse in seiner sphärischen Anmutung.

Raffiniert, von transzendenter Ausdruckskraft und doch praktisch demontier- und kompostierbar – der 36-jährige Architekt Arthur Mamou-Mani will mit seinen Projekten den Beweis antreten, dass Bauen im Einklang mit ökologischen Ansprüchen stehen kann. «Der Design- und Bauprozess soll so nah an der Natur sein wie nur möglich», sagt Mamou-Mani. Schnell wird klar: Wenn es nach ihm ginge, gehörte der solide, geschlossene, klargeschnittene Baukörper der Vergangenheit an. Die Zukunft, sagt er, liege in der Leichtigkeit der Gitterstruktur, dem Porösen, wo es kein klares Innen und Aussen gibt, in Strukturen, die durch ihre Bauweise eine ganz eigene Poesie entfalten. «Wir brauchen Gebäude, die auch unsere Seele nähren». 

Die Installation dehnt sich vom Hof in den Garten des Palazzos Isimbardi aus.

Als kleines Kind wollte Arthur Mamou-Mani Zauberer werden. Als Schüler verbrachte der Sohn eines Tunesiers und einer Bretonin dann ganze Nachmittage damit, mit dem Harmonograph geometrische Formen zu generieren, so fasziniert war er davon, dass aus einer Reihe von simplen, beschränkten Aktionen komplexe Geometrien gewonnen werden konnten. Schliesslich liess er sich in Paris und London zum Architekten ausbilden, arbeitete unter anderem bei Zaha Hadid und Jean Nouvel, bevor er 2011 sein eigenes Architekturbüro gründete. Genaugenommen fährt er seither mit dem fort, was ihn schon als Bube antrieb: Zaubern und geometrische Strukturen entwerfen – mit parametrischer Software, 3D-Drucker und Lasercutter.

Sein Architekturbüro im Londoner Stadtteil Hackney sieht denn auch mehr aus wie eine Kreuzung zwischen Handwerksstätte und Apparatepark. «Architekten müssen wieder holistischer denken. Heute wird viel über künstliche Intelligenz gesprochen. Auch Materialien haben ihre eigene Intelligenz. Auf diese zu hören, ist entscheidend. Statt dass der Architekt dem Material etwas aufzwingt, sollte er der ultimative Zuhörer sein», so Mamou-Mani. 

 

Gigantische Skulptur in der Wüste von Nevada: Arthur Mamou-Manis «Galaxia» am letztjährigen Burning Man Festival.

Arthur Mamou-Mani in seinem Studio im Londoner Stadtteil Hackney. 

«The Wooden Waves» in einem Apartment in Miami: Wie ein Textil zieht sich die 33mm dünne Holzstruktur von der Wand zur Decke.

Letztes Jahr erregte er mit dem Tempel «Galaxia» in der Architektur- und Designwelt Aufsehen. Am «Burning Man Festival» in der Wüste von Nevada baute er zusammen mit Architekturstudenten eine riesige Struktur aus 20 Holzträgern, die sich spiralförmig himmelwärts zu einem zentralen Punkt winden. Sie wurden ebenfalls mit 3D-parametrischer Software designt und mit 3D-Druckern, Robotik und Laserschneidern fabriziert. Mit derselben digitalen Fabrikationsweise konstruierte er «Wooden Waves», eine architektonische Deckeninstallation bestehend aus wellenförmigen Komponenten aus Holz. 

Mamou-Mani ist vom Gedanken, dass man ein Gebäude «wachsen» lassen kann – ähnlich wie in der Natur – und bei Nichtgebrauch abbauen und woanders wieder neu aufbauen kann, befeuert. Angesichts der ökologischen Kosten der Zementherstellung und der weltweiten Sandverknappung sei die Verwendung von erneuerbaren Materialien auch ein Gebot der Zukunft, meint er. «Conifera» geht jedenfalls mit dem Beispiel voran: Die Installation wurde abgebaut und reiste Mamou-Mani nach London nach. Bis im Oktober stehen Teile von ihr nun im COS Shop in Coals Drops Yard in Kings Cross in London.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 10/2019 von Das Ideale Heim.