Schweinchen und Riesenzäune gegen Trump

Das politische Potential von Architektur

Kein Tag vergeht inzwischen, an dem keine News des US-amerikanischen Präsidenten die Morgenlektüre der Zeitung prägen. Sei es ein Patzer auf Social Media, eine haarsträubende politische Entscheidung oder die andauernde Stilllegung der Regierung – dem längsten Shutdown in der Geschichte des Landes – Trump gehört auch in Europa zum täglich’ Brot. Das liegt einerseits natürlich an seiner Relevanz als Führer von Amerika, doch darüber hinaus ist er Sinnbild einer reaktionären Einstellung geworden, die sich viele im globalisierten 21. Jahrhundert in einem Land wie den USA nicht mal vorstellen konnten.

 

Protest-Architektur

Die Gegenwehr, die dem Präsidenten in seinem eigenen Land und weltweit entgegenschlägt, ist immens. Keine Sparte und Disziplin scheint ausgenommen zu sein, wenn es um kreative Wege geht, gegen Trump zu protestieren. Die Architektur nicht ausgenommen. Das Chicagoer Architektur-Büro «New World Design» macht derzeit mit einer Crowd-Funding-Kampagne von sich reden, die einen Prototypen des umstrittenen Mexiko-Grenzzauns bauen möchte und darum zu Spenden aufruft. Das blassgelbe Ungetüm, das sich der spiessigen White-Fence-Ästhetik amerikanischer Vorstädte bedient, soll um ein Anwesen in Florida gezogen werden, das als präsidiale Residenz dient. Für den wahrscheinlichen Fall, dass die Spendensumme von 570 Millionen Dollar (1/10 von den tatsächlichen Kosten des Zauns) nicht zustande kommt, werden die Einnahmen der Kampagne für wohltätige Zwecke gespendet.

Die Initianten der Aktion sind eine Gruppe von Architekten, die 2017 bereits die urbane Kunstinstallation Flying Pigs on Parade entworfen haben. Auch diese Idee von aufblasbaren Schweineballons, die vor einem Trump-Gebäudes in Chicago schweben sollten, um den Namenszug zu verdecken, war ein symbolischer Protest gegen den Präsidenten.

Rational Design Against Political Insanity

Auf der eigenen Website – eine andere als die des Büros New World Design– heisst es, die Projekte seien als visuelle Antworten auf die unlogischen und oft hasserfüllten Äusserungen gedacht, die die Aktivitäten der derzeitigen US-Regierung umgeben. Sie betreten damit Neuland für ihre Branche, denn die Grundideen hinter den Projekten scheinen eher dem Kunstkontext zu entstammen, als der Architekturwelt. Es ist erfrischend, solche Statements aus einem Bereich zu sehen, der sowieso untrennbar mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung  verbunden ist. Architekten, die sich nicht nur mit der gebauten Umwelt befassen, sondern auch mit dem Leben, das darin stattfindet – ein wichtiger Impuls, dass eine lebenswerte Gesellschaft ein Gemeinschaftswerk ist. Es wird sicher spannend, was die nächsten Regierungsmonate für Projekte bei New World Design anstossen werden.

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