Marcel Wanders für Laufen

Bad-Kollektion «The New Classic»

Virtuose der Form und des Materials: Star-Designer Marcel Wanders.

«Es gibt nichts weniger Nachhaltiges als das Neue», so Marcel Wanders. Wie also entwirft man etwas Neues, das gleichzeitig modern und dennoch zeitlos daherkommt? Eine mögliche Antwort liefert die neueste Bad-Kollektion «The New Classic» des holländischen Star-Designers für das Schweizer Traditionsunternehmen Laufen, welche unlängst in Haarlem, Holland vorgestellt wurde.

Dunkelblaue Wandmodule stehen inmitten der von Gemälden und Stuck geschmückten Räumen des Huis Barnaart, einer neoklassizistischen Villa aus dem 19. Jahrhundert. Herbstsonne scheint durch die Raumhohen, riesigen Fenster und setzt die um die Module platzierten Badobjekte in Szene. Waschbecken, Sanitäranlage, Badewanne, Spiegel, Accessoires und Möbel aus floral geschwungenen Linien und maskulinen Kanten prägen das Gesamtbild. 

Dieselbe Formensprache wie die Waschtische spricht auch die Badewanne der Kollektion.

Protagonist der gesamten Kollektion ist die kürzlich patentierte Saphir Keramik – ein innovatives Material, das von Laufen entwickelt wurde und dünnste Wandstärken und Radien ermöglicht. Wanders Kollektion zelebriert die Schönheit der Feinkeramik durch geschwungene und elegante Linien. Insbesondere die zarte S-Kurve, die als Leitmotiv durch die gesamte Kollektion zieht, führt zu unzähligen klassischen Assoziationen. Poesie, Fantasie und Romantik aus verschiedenen Epochen werden zitiert und im gegenwärtigen Moment zum Leben erweckt. Über die Hintergründe seines Designs sprach der holländische Star-Designer mit uns in Harlem. 

Eine zarte S-Kurve zieht als Leitmotiv durch die gesamte Kollektion, welche aus feinster Saphir-Keramik geformt wurde.

 

Weiche, fliessende Übergänge implizieren einen Hauch Menschlichkeit in die Keramikformen. 

Herr Wanders, Sie sagten mal, um etwas Neues zu designen, bedarf es einer Geschichte. Was ist die Geschichte hinter «The New Classic»? 

Marcel Wanders: Wenn man sich an den Prozess eines neuen Entwurfs macht, möchte man am Ende etwas erschaffen haben, was der Welt einen Mehrwert bietet, etwas, was niemand zuvor geschaffen hat. Ansonsten ist es toll, aber es ist nicht Design. Designer haben die Aufgabe der Welt etwas hinzuzufügen. Manchmal ist das eine äusserst poetische Geschichte, manchmal ist es eine rein funktionale Idee – Verschiedenstes ist möglich, und es gibt verschiedenste Designer dafür.

In der Kollektion «The New Classic» sehe ich viele feminine Aspekte, sie ist in gewissen Massen sehr poetisch. War Poesie eine Form von Inspiration für Sie? 

MW: Die Dinge, die wir machen, schaue ich gerne als ein Ganzes an – wie ein kleiner Ball. Es ist meine Aufgabe, diesen anzusehen und zwar nicht nur von einer Seite und zu sagen «Wow, das ist wunderschön, ich bin fantastisch!». Ich möchte, dass er von allen Seiten betrachtet einzigartig ist. Und ich meine damit nicht nur die physische Seite. Verpackung, Fotografie, Kommunikation, Produktion, Technologie, Kontext, Styling... Alle für ein Objekt relevanten Aspekte müssen mitgedacht werden. Und je vollständiger die Geschichte ist, desto mehr ist man fähig, das Ganze zu sehen. Und desto besser ist wahrscheinlich das Objekt. 

Es ist unglaublich wichtig, einen Raum zu haben, wo man alleine sein kann, ganz privat, wo die Zeit stillsteht.

Etwas was ich sehr an meiner Arbeit mag, ist, dass sie einen femininen und einen maskulinen Aspekt beinhaltet. Es freut mich, dass Sie das gesehen haben. Ich glaube, dass es zwei Arten gibt, wie man ein Interieur betrachten kann – von einer männlichen und von einer weiblichen Perspektive. Wir – mein Studio und ich – sind in der Mitte. Die männliche Perspektive ist die Design-Perspektive und die weibliche die Dekorations-Perspektive. Das ist, so glaube ich, wie die Welt aufgebaut ist. Wir schauen von beiden Perspektiven aus. Was Sie also in der Kollektion sehen, ist genau diese Position. 

Filigrane Untergestelle ergänzen die Linie und künden von der Poesie vergangener Zeiten. 

Die Räumlichkeiten des Huis Barnaart boten den perfekten Hintergrund für die Kollektion Marcel Wanders. 

Welchen Prozess des Designens mögen Sie am liebsten? 

MW: Chaos. Chaos ist der beste Prozess. Kein anderer führt zu interessanterem Design. (Überlegt kurz) Organisiertes Chaos, vielleicht. Lassen Sie mich eine Geschichte dazu erzählen. Vor einigen Jahren herrschte eine gewisse Spannung in unserem Studio. Es gab das Bedürfnis nach mehr kreativer Freiheit, aber ebenso das Bedürfnis nach mehr Struktur. Diese zwei Seiten standen miteinander in Konflikt. Irgendwann stand der CEO meiner Firma, Robin, auf den Tisch und rief: «Schluss damit! Wir organisieren das Büro neu! Es wird zwei Abteilungen geben: Eine Abteilung für Ordnung und eine für Chaos. Denn ohne Ordnung und Struktur bekommen wir nichts geregelt, aber ohne Chaos bekommen wir nichts Wichtiges hin.» Ich glaube fest daran, dass geordnetes Chaos zu Brillanz führt.

Was bedeutet Ihnen das Badezimmer als Raum an sich? 

MW: Ruhe. Das Bad ist für mich ein Raum, in dem ich alleine bin. Und das mag ich. Es ist unglaublich wichtig, einen Raum zu haben, wo man alleine sein kann, ganz privat, wo die Zeit stillsteht. So hege ich auch mit meiner Kollektion den Anspruch, dass sie zeitlos ist.

Design stellt sich zwischen Mensch und Architektur. In all meinen Projekten, und vor allem in diesem Bereich, versuche ich, die Architektur weicher und menschlicher zu machen.


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