Neues Leben in alten Kasernen

Städtebau Münster

Die Oxford-Kaserne im Stadtteil Münster-Gievenbeck ist mit ihren 27 Hektar für die Umnutzung bereit.

Neben verdichteten gemischten Bereichen um den Oxford-Platz sollen Hofstrukturen zwischen Bestandsgebäuden, Neubauten, Geschosswohnen und Reihenhausstrukturen entwickelt werden. Ein nachhaltiges Regenwasserbewirtschaftungssystem, das im Rahmen des Förderprogramms «Kommunaler Klimaschutz NRW» ausgezeichnet wurde, gilt als Besonderheit des neuen Quartiers.

In meiner Kindheit und Jugend bin ich auf dem Weg nach Münster immer an den Oxford Barracks in Gievenbeck vorbeigekommen. Vor den Toren hielten die britischen Soldaten Wache – die Welt im Inneren der Kaserne blieb den meisten verschlossen. Die Briten, die hier stationiert waren, blieben unter sich. Zumindest in meiner frühen Kindheit. Später dann wurde das Areal mehr und mehr geöffnet. Und 1994 schliesslich, nach beinahe 50 Jahren, zogen auch die letzten britischen Streitkräfte aus Münster ab. Und die Oxford-Kaserne wartet seither ebenso wie die York-Kaserne in Gremmendorf auf neue Aufgaben.

Kéré Architecture aus Berlin planen, die denkmalwerte Bestandsstruktur zu erhalten ...

... und 1200 neue Wohneinheiten auf dem Areal zu entwickeln.

Dass einer Stadt auf einmal zwei derart grosse Flächen für neue Nutzungen zur Verfügung stehen, kommt nicht allzu oft vor. Ein Glücksfall für Münster, das unter einem sehr angespannten Wohnungsmarkt leidet. Und eine grosse Chance für die Stadtplaner. Zwei neue Stadtquartiere auf insgesamt 75 Hektar werden Platz für 3000 Wohneinheiten, Kitas und Schulen bieten. «Unser Ziel ist es, dass die beiden Stadtquartiere eine bundesweite Vorreiterrolle im Hinblick auf gelungenen Städtebau der Zukunft einnehmen. Und das nicht in Vorstadtlage, sondern mitten im Geschehen, optimal in die jeweiligen Stadtteile eingebunden», erklärt Stephan Aumann, Geschäftsführer der KonvOY GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadt Münster.

Mit 50 Hektar ist die York-Kaserne in Gremmendorf beinahe doppelt so gross wie die Oxford-Kaserne.

Für das städtebauliche Grundgerüst zeichnet die Arbeitsgemeinschaft um das Büro Lorenzen Mayer Architekten verantwortlich.

Aus der alten York-Kaserne sollen Mehr- und Einfamilienhäuser ...

... mit 1800 Wohneinheiten entstehen.

Die Umnutzung soll bezahlbaren Wohnraum für 6000 Bewohner aus allen Zielgruppen bieten. Das Mobilitätskonzept umfasst Fuss- und Radwege, Carsharing-Stationen und E-Ladestationen.

2018 hat die Stadt über einen mehrstufigen städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb die besten Lösungen für die Konversionen erarbeitet und beide Liegenschaften von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben angekauft. Anfang 2019 starteten bereits erste Umsetzungsmassnahmen. «Das Gesamtbild der Quartiere werden eng vernetzte Grünstrukturen mit Rad- und Fusswegen, offene Übergänge zwischen privaten und öffentlichen Nutzungen sowie hochwertige Freiraum- und Freizeitflächen prägen. Die bauliche Nutzung soll vielfältig sein, Neubau und Bestand mischen und soziale Infrastrukturen integrieren», beschreibt Martin Altmann das Konzept. Altmann ist Senior Projektpartner bei Drees & Sommer, die als Experten für Lean Management und Entwicklungsmanagement die KonvOY GmbH begleiten. Wichtige Schlagworte sind ein modernes «Smart-City-Quartier», eine lokale und nahe Versorgung, wenig Autoverkehr und CO2-Neutralität. Gespannt werde ich die baulichen Fortschritte bei meinen Besuchen in meiner alten Heimat verfolgen.

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