Gestaltetes Tageslicht und seine Erforschung

Daylight Award 2020 – die Gewinner

Zum 40-Jahre-Jubiläum des internationalen Daylight Award wird neben den Preisen in den Kategorien Architektur und Forschung auch eine dritte Auszeichnung vergeben. Für sein aussergewöhnliches Lebenswerk wurde der Architekt und Fotograf Henry Plummer geehrt.

Lichtstimmung in der Kapelle von Notre Dame du Haut in Ronchamp von Le Corbusier.

Stiftungen Villum Fonden, Velux Fonden und Velux Stiftung ins Leben gerufen und hat sich über all die Jahre zu einem renommierten und viel beachteten Event in Sachen Licht gemausert. In diesem Jahr gehen die Preise nach Finnland, Grossbritannien und in die USA.

Der Award für Architektur erhält 2020 der finnische Architekt und Designer Juha Leiviskä. In seinen Arbeiten beweist er die einzigartige Fähigkeit, Tageslicht zu einem integralen Bestandteil seiner Gebäude zu machen. Er kombiniert emotionale Reize, Funktionalität und eine subtile, aber spannende Präsenz von Licht als Teil der räumlichen Erfahrung. «Im aktuellen Kontext der Bedeutung von Architektur für die Umwelt und der Nutzung natürlicher Ressourcen zur Schaffung von natürlichem und nachhaltigem Komfort ist die Arbeit von Leiviskä zu Tageslicht heute besonders relevant», so die Fachjury.

Der finnische Architekt Juha Leiviskä in seinem Atelier (1999.)

Innenraum der Deutschen Botschaft in Helsinki, 1986 bis 1993.

Church of the Good Shepherd in Pakila bei Helsinki (1997 bis 2003).

Innenraum der Myyrmäki Church in Vantaa, unweit von Helsinki (1980 bis 1984).

Aussenansicht der Myyrmäki Church in Vantaa.

Innenraum der Vallila Bibliothek in Helsinki, 1979 bis 1984.

Im Bereich Forschung erhält der englische Neurowissenschaftler Russel Foster eine Auszeichnung. Der Professor ist Direktor des Nuffield Laboratory of Ophthalmology und Leiter des Instituts für Schlaf- und zirkandiane Neurowissenschaften an der Universität von Oxford. 2015 erhielt er einen Ordnen (Commander oft he Order oft he British Empire, CBE) für seine Verdienste um die Wissenschaft. Russel Fosters anerkannteste wissenschaftliche Entdeckung war die einer speziellen Zelle im Auge, die als Lichtsensor fungiert und die Körperuhr und den Schlaf-Wach-Rhythmus auf den Tag-Nacht-Zyklus ausrichtet. Ohne diese spezielle Zelle würde unsere Synchronität mit dem Tagesrhythmus verloren gehen. Diese einzigartige Entdeckung hat fundamentale Grundsätze des Wissens über die Auswirkungen von Licht auf biologische Systeme und die menschliche Physiologie verändert. In der modernen industrialisierten Welt verbringen wir durchschnittlich 90 Prozent unseres Lebens in Gebäuden, und das Licht, dem wir ausgesetzt sind, wird hauptsächlich durch die bebaute Umwelt gesteuert. «Die Architekten würdigen die Arbeit von Professort Foster, in der die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Folgen von Licht ermittelt werden sowie die Antwort darauf, wann und wie das Eindringen von Licht gefördert und wann es hingegen reduziert und verdunkelt werden sollte», so die Jury des Daylight Award.

2015 erhielt Russel Foster einen Ordnen (Commander oft he Order oft he British Empire, CBE) für seine Verdienste um die Wissenschaft.

Foster ist Leiter des Instituts für Schlaf- und zirkandiane Neurowissenschaften an der Universität von Oxford.

Fosters grosse Entdeckung war die einer Zelle im Auge, die als Lichtsensor fungiert und die Körperuhr und den Schlaf-Wach-Rhythmus auf den Tag-Nacht-Zyklus ausrichtet.

Und schliesslich wurde Henry Plummer für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der amerikanische Architekt, Schriftsteller und Fotograf ist ein Architekturwissenschaftler, der seine Karriere der Erforschung des Tageslichts in der Architektur gewidmet hat. Als emeritierter Professor unterrichtete er Architekturgeschichte und Design am Center for Advanced Study der Universität of Illinois Urbana-Champaign. Seinen Abschluss absolvierte er am MIT, studierte Lichtkunst bei dem Künstler, Fotografen, Pädagogen und Kunsttheoretiker György Kepes und lernte Fotografie bei Minor White. Im Jurybericht steht: «Durch umfangreiche Kritik und fotografische Untersuchungen liefert Henry Plummer eine durchdachte und eindrucksvolle Bewertung unzähliger Gebäude der Geschichte. Sein einzigartiger Ansatz zur Aufeckung der transformativen, metaphysischen Qualitäten des Tageslichts besteht darin, seine Fähigkeit zur narrativen Analyse mit seinem herausragenden Talkent als Architekturfotograf zu verbinden. Auf diese Weise hat sein umfangreiches Werk Generationen von Architekten dazu inspiriert, die Erfahungsaspekte des Tageslichts in der Architektur zu zelebrieren.»

Henry Plummer ist Architekt, Schriftsteller, Fotograf und Architekturwissenschaftler.

Blick in die Therme von Vals von Peter Zumthor.

Bagsvaerd Church in Bagsvaerd, Dänemark, von Jörn Utzøn.

Church of Light in Ibaraki, Japan, von Tadao Ando.

Guerrero House in Zamora, Spanien, von Alberto Campo Baeza.

Männistö Church in Kuopio, Finnland, von Juha Leiviskä.

Kloster Sainte Marie de la Tourette in Éveux bei Lyon, Frankreich, von Le Corbusier.

Kirche Santa Maria in Marco de Canavezes, Portugal, von Alvaro Siza.

Tuskegee Chapel auf dem Gelände der Tuskegee University im Staat Alabama (USA) von Paul Rudolph.