«Meine Produkte sollen Ausstrahlung haben»

Atelier: Designporträt Nikolas Kerl

Der Designer Nikolas Kerl experimentiert gerne mit Holz und Glas.

Robust, massiv und gradlinig oder fragil, feingliedrig und verspielt: Die Produkte des Designers Nikolas Kerl haben viele Facetten. Dennoch verbindet sie alle die Leidenschaft zu natürlichen Materialien und ein Gespür für hochwertiges Handwerk. Diese Komponenten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Produktepalette des Labels Edition Nikolas Kerl. Bereits mit dem Massivholz-Tisch «T1» machte der Designer nach dem Studium auf sich aufmerksam. Seither sind sechs Jahre vergangen und viele weitere Objekte folgten. Im vergangenen Jahr gründete der leidenschaftliche Hobbykoch zudem ein zweites Label, «Slow Goods», das sich den kulinarischen Finessen verschrieben hat. Für dieses Label entwirft er praktische Küchenhelfer und führt einen Foodblog. Die Freude für verschiedene Tätigkeitsfelder wiederspiegelt sich auch an seinem Arbeitsplatz in Zürich. Das Studio, das er mit zwei anderen Kreativen teilt, zeigt ein buntes Potpourri an Objekten, die er selbst entwirft und produziert. Für ein kleines Label wie seines sei Zürich der ideale Ort, erklärt der Designer. Einerseits haben gutes Handwerk und hochwertige Arbeit hier noch einen hohen Stellenwert, zum anderen sind die Leute auch bereit, für Qualität ohne Hemmungen eine grössere Summe zu bezahlen. Dies zeigt sich auch in Erlebnissen mit Kunden: «Mir erzählte ein Verkäufer, dass eine Kundin mehrere Monate auf eine meiner Vasen sparte und dann ins Geschäft zurückkam, weil ihr die Vase nicht mehr aus dem Kopf ging», so Kerl. «Das sind schöne Erlebnisse. Es freut mich, wenn meine Objekte den Leuten gefallen und sie irgendwo in einem Wohnzimmer stehen.»

Das zweite Label von Nikolas Kerl «Slow Goods» verkauft unter anderem Pfannenwender und Kochlöffel aus Nussholz von Patrizia Keller.

Im Studio sammeln sich Gegenstände unterschiedlichster Art.

Dekorativ: Die Wandhaken «Charles» aus unbehandeltem Eschenholz und poliertem Marmor gibt es in verschiedenen Ausführungen.

Handfest: Ebenfalls unter dem Label Slow Goods laufen die Schneide- und Servierbretter aus Nussholz und Ahorn.

In der Werkstatt fertigt Nikolas Kerl erste Modelle selbst an.

Du arbeitest mit verschiedenen Materialien, wie gehts du an ein neues Projekt heran? 
Nikolas Kerl: Beim Holz fühle ich mich zu Hause, weil ich früher auch in einer Schreinerei arbeitete. Mein Entwurfsprozess geht meistens von einem Material aus. Ich versuche durch die Form, die Objektgebung oder die Verwendung, das Material in den Vordergrund zu stellen. Für mich steht die Form immer hinter dem Ausdruck des Materials und ich würde nie anders vorgehen.

 

Du hast vor allem Alltagsgegenstände entworfen, spürst du dort ein Defizit an guten Objekten?
NK: Um ehrlich zu sein, im Möbelproduktedesign kann man das Rad nicht mehr neu erfinden. Für mich ist bei meinen Objekten ein wichtiger Aspekt, dass die Produkte brauchbar sind und ihren Zweck erfüllen, nebst dem, dass sie natürliche Materialien mit traditionellem Handwerk vereinen. Ich möchte bei meinen Produkten gerne einen Mehrwert generieren. Etwa, dass es Objekte sind, die man gerne um sich hat, weil sie durch die verwendeten Materialien eine besondere Ausstrahlung haben. Plastik würde ich beispielsweise nie in den Vordergrund heben.

Ich möchte bei meinen Produkten einen Mehrwert generieren.

Was ist die grösste Herausforderung an deiner Arbeit?
NK: Meine Arbeit ist sehr bürolastig. Deshalb ist für mich eine der grössten Schwierigkeiten, nebst der Büroarbeit Zeit zu finden, kreativ zu sein. Ein weiteres Thema ist, sich selbst treu zu bleiben, in dem wie man entwirft. Ich musste erst lernen, dass es von einer guten Idee bis zum fertig produzierten und verpackten Produkt ein langer Weg ist, der auch Veränderungen mit sich bringt. Meistens merkt man erst in Gesprächen mit Handwerkern und Produzenten, dass sich eine Idee nicht umsetzen lässt, weil das Produkt ansonsten zu teuer werden würde. In diesem Prozess muss man aufpassen, dass das Produkt nicht zu sehr vom Entwurf abweicht und man noch hinter dem Design stehen kann. Am Anfang war es auch schwierig, immer an sich zu glauben. Als kleine, unbekannte Marke in grossen Häusern unterzukommen, war knifflig und ist es auch heute noch.

 

Welche Arbeit reizt dich für die Zukunft?
NK: Mich fasziniert Glas, insbesondere das Glasblasen. Damit würde ich gerne ein paar freie Sachen umsetzen, die weniger in die Richtung Funktionsobjekte oder alltäglichen Gebrauch gehen, sondern in den Objektbereich abrücken.

 

www.editionnikolaskerl.com

www.slowgoods.ch