«Ehrlichkeit muss sein»

Atelier: Designporträt Daniel Wehrli

Im Atelier in Aarau arbeitet Daniel Wehrli an seinen Ideen und baut erste Modelle.

Viele winzige Modelle aus Karton, Skizzen in Notizheftern oder Objektfragmente in 1:1-Grösse sammeln sich im Atelier von Daniel Wehrli. Dazu kommen Werkzeug und eine inspierierende Pinnwand mit Postkarten, Zeichnungen und Gegenständen. Das Gemeinschaftsatelier in Aarau teilt sich der Designer mit einem Architekten. Nach Arbeitsaufenthalten in Japan und New York hat sich Daniel Wehrli 2015 an seinem Heimatort Aarau selbstständig gemacht. Hier hatte einst alles mit einer Schreinerlehre begonnen, ein BachelorStudium in Industriedesign sowie ein Masterstudiengang an der Ecal folgten. Heute arbeitet Wehrli mit namhaften Unternehmen wie Schönbuch oder Zoom by Mobimex zusammen.  

 

Was hat dich zurück nach Aarau verschlagen?
Daniel Wehrli: Ich war lange Zeit im In- und Ausland unterwegs und habe viel gesehen. Der Standort ist gar nicht so wichtig, aber Aarau bietet mir extrem viel. Hier kann ich unkompliziert bei einer Schreinerei vorbeigehen und etwas ausprobieren, das wäre in anderen Städten unmöglich. 

 Du hast einige Zeit in Japan verbracht und gearbeitet. Wie ist es dazu gekommen?
DW: Durch einen Bekannten, der Geschäftsbeziehungen zu einem Designer in Tokio hatte. Den habe ich wegen eines Praktikums angefragt. So kam es, dass ich an einem Projekt mithelfen durfte, das Gestalter und Handwerker zusammenbrachte. Ich habe dort vier Monate in einer Schreinerei gearbeitet und für diese Produkte entworfen. 

Sammelwand für Produktentwürfe, Ideen und Materialfragmente.

Auf dem Pult verweisen Notizen und Skizzen auf erste Ideen und Arbeitsprozesse.

Die ersten Modelle fertigt Daniel Wehrli von Hand in einem Massstab von 1:5 an.

Wie hat diese Zeit deine weitere Arbeit geprägt?
DW: In Japan habe ich zum ersten Mal Schreinerei und Möbeldesign miteinander verbunden. Die Schreinerei kann Objekte gestalten, die in einer Kleinserie hergestellt werden. Gegenstände mit hoher gestalterischer Qualität für den lokalen Markt. In Japan ist noch sehr viel Tradition vorhanden, aber man versucht auch immer, neue Einflüsse einzubringen.

Welche anderen Einflüsse prägen dein Schaffen?
DW: Ich habe überall etwas mitgenommen, aber ich würde nicht sagen, dass ich etwas konkret weiterziehe, sondern ich versuche, Verschiedenes in meine Projekte einzubringen. Das ist manchmal auch ein Problem, weil ich zu viel will. Mich faszinieren Lösungen, die vom Material ausgehen. Ich habe noch nie Kunststoffteile gemacht, die irgendwelche Freiformen sind, das interessiert mich nicht. Es muss bei meiner Arbeit eine Ehrlichkeit dabei haben, das sieht man etwa beim japanischen Design noch häufig.

Wie gehst du ein neues Projekt an?
DW: Das kommt auf das Projekt an. Bei eigenen Projekten steht eher das Material im Vordergrund. Bei Aufträgen wie für Zoom by Mobimex war das Briefing klar: Es sollte eine Bank sein, die genug flexibel ist, um sie herumschieben zu können, und die gleichzeitig von allen Seiten gut aussieht. Ich beginne dann meist mit einem 1:5-Modell und Segmenten von 1:1, damit man die Ergonomie ein erstes Mal spürt.

Mich faszinieren Lösungen, die vom Material ausgehen. 

Woher kommt deine Inspiration? 
DW: Ich bin in erster Linie nicht am Möbeldesign interessiert, es geht mir mehr darum, wie ein Möbel verwendet wird und was man machen kann, damit es besser ist als diejenigen, die auf dem Markt sind. Inspiration kommt von überall her, etwa von innovativen Materialien. Ich gehe gerne auf technische Messen und sehe mir neue Entwicklungen an.

Was ist die grösste Herausforderung als Designer?
DW: Ich habe zwar viele Freiheiten, da ich alleine arbeite, ich muss aber immer schauen, dass ich genug Austausch habe. Daher ist die Aterliergemeinschaft sehr wichtig für mich geworden. Aber inzwischen habe ich ein gutes Netzwerk, das sich von Lausanne über Basel bis Zürich erstreckt. Trotzdem ist es nicht einfach, sich zu etablieren, und ich weiss nicht, was in fünf Jahren ist. Zurzeit arbeite ich noch teilzeit an der Hochschule Luzern im Forschungsbereich. Da geht es um die Schnittstelle zwischen Textilforschung und Entwicklung und Design. Dort sehe ich auch viel Potenzial für innovative Produkte.

Hast du ein Wunsch-Projekt?
DW: Ich würde gerne mit einem Produzenten im Möbelbereich zusammenarbeiten, der an technischen und gestalterischen Innovationen oder einem Experiment mit Materialien interessiert wäre.

www.danielwehrli.ch