«Handgemachte Objekte haben Charakter»

Atelier. Designporträt Isabell Gatzen

Isabell Gatzen entwirft nebst Wohnaccessoires auch Möbel, Keramik und Glasobjekte.

Die Möbel und Accessoires von Isabell ­Gatzen tragen fantasievolle Namen wie «Burning On Both Ends»-Kerzenhalter, «See Right Through Me»-Spiegel, «Walk All Over Me»-Teppich, «Hook Me Up»-Table oder «Don’t Screw With Me»-Regal. Genauso ungezwungen sprechen diese eine einheitlich minimalistische Designsprache und zeugen von der Experimentierfreude mit Materialien wie Marmor, Glas oder Messing. Fast in jeder Ecke der grosszügigen Altbauwohnung im Kreis 3 in Zürich kann man ihre eigenen Accessoires und Möbel entdecken – denn die Wohnung ist Arbeitsplatz zugleich. Hier werden erste Skizzen auf Papier gebracht, Ideen weitergesponnen und Prototypen entwickelt. Die kreative Arbeit lässt sich kaum verbergen, sie zeigt sich in Modellen aus Styropor, in Papierfragmenten und Materialproben, die im Arbeitszimmer zu finden sind. Gleichzeitig dient die Wohnung als Showroom, worin die Objekte in einem natürlichen Umfeld präsentiert werden. So vielschichtig ihre Arbeit ist, so mannigfaltig gestaltet sich auch ihr Portfolio. Nach ihrem Studium an der ZHdK arbeitete Isabell Gatzen für eine Zürcher Fashion-Design-Agentur. Darauf folgten drei Jahre in San Francisco, in denen sie in einer Produktdesign-Agentur für die Elek­tronikindustrie tätig war, bis sie sich 2010 mit ihrem Designstudio selbstständig machte.  

Das Regal aus Marmor dient in Isabell Gatzens Wohnung als Ausstellungsstück und Möbel zugleich.

Kreativzone: In ihrem Büro in ihrer Wohnung entstehen erste Skizzen und Prototypen.

Inspirationsquelle: Isabell Gatzen arbeitet gerne mit Moodboards.

An was arbeitest du gerade?
Isabell Gatzen: Grundsätzlich arbeite ich immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Momentan bin ich in der Prototypen-Phase einer Serie von Wandspiegeln für den Salone del Mobile 2017. Dann arbeite ich noch an einem experimentellen Glasprojekt mit Matteo Gonet aus Basel, aber dort müssen wir noch probieren, ob das, was wir uns vorstellen, überhaupt möglich ist. Aktuell entwerfe ich aber eine Accessoire-Kollektion, die ich in Bali produzieren werde.

Ich möchte Dinge kreieren, die Bestand haben und den Leuten lange Zeit Freude bereiten.

Wie kam es zu diesem Projekt in Bali? 
IG: Ich habe dort vor etwa drei Jahren eine Residency in einer Keramikproduktion gemacht. Die Produktionswerkstätten sind wirklich fantastisch. Eigentlich wollte ich schon damals meine eigene Kollektion entwickeln, aber man muss solche Projekte immer erst vorfinanzieren. Jetzt aber habe ich einen Businesspartner gefunden, und wir haben gerade unser eigenes Label gegründet. Am Schluss gibt es eine handgefertigte Porzellankollektion, die ich dann auch in Mailand zeigen möchte.

Du kreierst – von Kerzenhaltern über Teppiche bis Tische – sehr unterschiedliche Objekte, woher kommen die Ideen?
IG: Ich lasse mich momentan von traditionellen Dingen inspirieren. Handgemachte Gegenstände haben meines Erachtens einen besonderen Charakter. Ich habe zum Beispiel einen Messingkerzenständer meiner Grossmutter geerbt, der schon seit Ewigkeiten in unserer Familie war. Das hat mich dazu in­spiriert, Objekte zu gestalten, die Bestand haben und den Leuten lange Zeit Freude bereiten. Ein weiterer wichtiger Ausgangspunkt meiner Arbeit ist die Interaktion mit den Objekten, die ich gestalte. Daraus ist der «721 Grams»-Kerzenhalter entstanden.

Was ist die grösste Herausforderung?
IG: Für mich stellt die grösste Herausforderung die Produktion von Kleinserien dar.Man muss alles selbst vorfinanzieren, die richtigen Produktionsstätten finden und das Endprodukt selbst vertreiben. Es ist meines Erachtens fast nicht möglich, in einer Kleinserie die Entwürfe qualitativ hochwertig und zu einem konkurrenzfähigen Preis umzusetzen. Deshalb fokussiere ich mich nun darauf, Prototypen zu entwickeln und für diese dann Hersteller zu suchen, die meine Entwürfe lizensieren.

Welche Designer verfolgst du?
IG: Ich finde Jaime Hayon faszinierend, weil er seinen eigenen Stil hat und sehr vielseitig arbeitet. Hayon entwirft alles: vom Schuh über Glasobjekte bis zum Hotel-Interieur. Eine weitere Inspiration ist Nendo, dessen konzeptionelle und minimalistische Arbeitsweise ich sehr schätze.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
IG: Ich würde gerne Interiordesign-Projekte in der Schweiz realisieren. Bars, Restaurants oder Hotels wären eine tolle Herausforderung, weil ich von der Keramik bis zum Möbel alles selbst gestalten und auswählen könnte. Mein Ziel ist es, für vollumfängliche Interiordesign-Projekte unter meinem Namen engagiert zu werden.

www.isabellgatzen.com