«Die japanische Kultur inspiriert mich sehr»

Atelier: Designporträt Colin Schälli

Colin Schälli mag funktionales Design, das an die japanische Kultur erinnert und einen Mehrwert bietet.

Das Büro von Bölsterli Hitz ist wie ein Ruhepol im geschäftigen Züri West. Die Räumlichkeiten überschauen zwar die belebte Hardbrücke, doch innen dominiert eine minimalistisch geordnete Zen-Atmosphäre. Hier unterstützt Colin Schälli seit gut einem Jahr das Architekturbüro als Designer FH in der Projektplanung. Neu ist die Architekturwelt für Colin Schälli nicht. Denn der Designer begann ­seine Laufbahn mit einer Lehre als Hochbauzeichner bei Peter Zumthor. Danach folgte ein Studium zum Industrie- und Grafikdesigner an der Zürcher Hochschule der Künste, bevor er sich 2006 mit seinem eigenen Design-Studio selbstständig machte. In dieser Zeit entstanden viele Möbel und Designgegenstände, unter anderem für Atelier Pfister sowie die Brüder Freitag. Mit dem Verkaufssystemregal, das Colin Schälli eigens für Freitag entwarf, gewann er 2009 den Design Preis Schweiz. 2011 folgte erneut der Design Preis Schweiz, für die Möbelkollektion «con.temporary furniture». Diese Holzmöbelkollektion ist so praktisch wie funktional und kommt ohne Schrauben aus. Mit wenigen Handgriffen können die Möbel unkompliziert zusammengesteckt und wieder auseinandergenommen werden. Ein simples Design, das auch in Asien gut ankommt. Die Holzmöbelkollektion wird heute in Japan produziert und verkauft.

Ein kreativer Arbeitsplatz erfordert eine ebensolche Atmosphäre.

Im Büro von Bölsterli Hitz arbeitet Colin Schälli an Entwürfen, die hier anhand von Modellen erste Formen bekommen.

Die Modelle zeigen einen Spielplatz in Gaza, den Bölsterli Hitz in diesem Jahr umsetzt.

Wie beeinflusst die Tätigkeit als Designer deine Arbeit bei Bölsterli Hitz?
Colin Schälli: Sie beeinflusst mich in dem Sinne, dass man sehr viel denken muss.

Kannst du das genauer erklären?
CS: Der Alltag ist nach wie vor sehr kopflastig und man denkt auch viel ausserhalb der Arbeitszeit über Lösungen nach.

 Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Arbeit jetzt und vorher?
CS: Ein Unterschied ist sicher, dass ich ­keine Akquise mehr mache. Gemeinsam ist, dass die Designprozesse von der Ideenfindung bis zur Umsetzung gleich sind.

Mich inspirieren vor allem schöne Dinge wie gute Architektur, aber auch Mode.

Was war oder ist noch immer die grösste Herausforderung für dich als Designer?
CS: Immer wieder etwas Neues zu entwickeln oder etwas, das vielleicht bereits einmal da war, aber bei vielen in Vergessenheit geraten ist. Für mich ist das gleichzeitig aber auch das Interessante, immer wieder etwas zu finden, was einen Zusatznutzen bringt. Für den Designkiosk in Japan etwa habe ich einen Kofferschrank entworfen. Solche existieren schon lange, aber man sieht sie fast nicht mehr.

Was inspiriert dich? 
CS: Vor allem schöne Dinge wie gute Architektur, aber auch Mode. Und Japan inspiriert mich sehr.

Fliesst das zurzeit auch in deine Arbeit ein?
CS: Ja, die japanische Kultur lasse ich auch gerne in Entwürfen einfliessen. Ich versuche, vor allem die Einfachheit und Schlichtheit zu übernehmen.

Wer hat dich auf deinem Weg beeinflusst?
CS: Ich habe lange und oft für Freitag gearbeitet. Von Dani und Markus Freitag konnte ich viel lernen und einen wertvollen Einblick in ihre Arbeit bekommen. Es war eine intensive Zeit, die mich im Positiven stark geprägt hat.

Mit welchen Möbelherstellern würdest du gerne zusammenarbeiten?
CS: Für Classicon würde ich gerne etwas entwerfen, sie haben sehr zeitlose Objekte.

Wie sieht deine Zukunft aus?
CS: Ein Traum wäre, irgendwann wieder selbstständig zu arbeiten; ich sehe es so, dass ich momentan eine Phase habe, in der ich wieder viel lernen kann.

www.bolsterlihitz.ch

Das Verkaufs­regalsystem «V30 Freitag Skid» entwarf Colin Schälli für Freitag und gewann damit den Design Preis Schweiz 2009.

Der Arbeitstisch gehört zur «con.temporary furniture»-Kollektion, die Tischplatte ist mit Linoleum belegt.

Die Holzmöbelkollektion «con.temporary furniture» kommt ohne Schrauben aus und kann einfach zusammengesetzt und transportiert werden.