Wie ein Blick durchs Kaleidoskop

Atelier: Designporträt Nadja Stäubli

Nadja Stäubli will sich zum Glück nicht auf eine Sache festlegen, nebst Schönstaub arbeitet sie immer noch als Fotografin oder legt in Clubs auf. So kommt es auch mal vor, dass sie morgens um drei an neuen Entwürfen sitzt.

Musterhaft: Im Showroom im Zürcher Kreis 4 sind alle Teppiche für Besucher ausgestellt.

Detailansicht: Im Büro verraten Skizzen bereits die Designs von morgen.

Unikate: Schönstaub fertigt auch individuelle Teppiche auf Kundenwunsch an.

Eigentlich waren die Galaxy-Teppiche Teil ihrer Bachelorarbeit an der ZHdK, doch heute ist Schönstaub ein Label, das weit über die Landesgrenze hinaus wahrgenommen wird. Denn Nadja Stäubli hat es mit Schönstaub geschafft, dem Teppich ein frisches Image zu verpassen, sodass ihre Teppiche etwa an der Mode Suisse auf dem Laufsteg liegen oder auch die Showrooms von Vitra schmücken. Die Designs lassen sich nicht klar einordnen, mal exotisch und bunt, dann wieder grafisch und dezent. Trifft man auf Nadja Stäubli in ihrem Büro im Zürcher Kreis 4, verwundert dieser Mix kaum. Ihre Projekte sind breit gefächert. Längst sind es nicht nur Teppiche und Badetücher, die ihr Portfolio füllen. Mit enSoie hat sie etwa die «Capsule Collection» herausgebracht, die nebst Teppichen auch Kissen und Keramikvasen umfasst. Jüngst sind in Zusammenarbeit mit Deutschen und Japanern Seifen, Tagesdecken und Hamamtücher und mit Soeder limitierte, handgefärbte Tücher, Sweatshirts und Hosen entstanden. Doch so unverhofft Nadja Stäubli in die Interiorszene hineingerutscht ist, so unkonventionell zeigt sich auch ihr Schaffen. Ihr Büro teilt sie mit anderen Kreativen und es fungiert gleichzeitig auch als Showroom. Hier kann man einen Blick auf neue Skizzen werfen. Weg von Trends zeigt sie ein feines Gespür für Farben, Formen und Muster, die einem Raum eine eigene Identität verleihen.

An was arbeitest du gerade? 
Nadja Stäubli: Im Moment arbeite ich an einem sehr spannenden Projekt. Ich hatte die Möglichkeit, die Tapeten in einem Hotel in Zürich mit meinen Fotos zu gestalten. Jetzt folgt noch der Teppich in der Lobby. So etwas macht Spass, auch weil wir eine Carte Blanche hatten und die Designs nach dem Moodboard des Hotels gestalten konnten.

Sind diese vom Design her ähnlich wie deine Kollektionen oder ganz anders?
NS: Ich denke, es ist nicht möglich, dass diese Designs ganz anders aussehen, aber ich schaue dabei eher auf andere Sachen, etwa dass der Teppich nicht zu heikel ist und zum Image des Hotels passt. Den Teppich für ein Hotel in den Bergen würde ich ganz anders gestalten als für ein Hotel in Berlin. Aber schlussendlich ist es doch meine Ästhetik, die zum Ausdruck kommt, und wir arbeiten viel mit knalligen Farben, was definitiv nicht allen gefällt. Aber wir polarisieren – entweder es gefällt oder nicht. Man hat eine Meinung zu unseren Produkten, und das finde ich gut.

 Ist Interiordesign eine Richtung, die du gerne auch vermehrt in Zukunft einschlagen willst?
NS: Wir hoffen natürlich, dass wir in Zukunft vermehrt solche Hotelgeschichten machen können. Wenn ein Hotel wie Ace oder Soho House uns anfragen würde, wäre das sicher ein Traum. 

 Wie gehst du an ein neues Projekt heran?
NS: Das ist sehr unterschiedlich, weil wir nicht wie in der Mode an Termine gebunden sind. Ich finde es schön, dass wir uns auch mal Zeit lassen können. Wir machen immer etwas auf die Möbelmesse in Milano hin, aber die Kollaborationen verteilen sich über das Jahr. Es geht meistens zwei bis drei Jahre, bis eine Zusammenarbeit zustande kommt. 

Welches Projekt möchtest du zukunftsorientiert gerne noch angehen?
NS: Das sind zwei Sachen, eines ist ein emotionales Herzensprojekt, das sind die Künstlereditionen, von denen wir bereits zwei herausgebracht haben. Aber ich würde gerne eine Artistcollection herausbringen, für die mehrere Künstler einen Teppich gestalten, und daraus Ausstellungen organisieren. Das fände ich toll, aber da müsste ich mit jemandem zusammenarbeiten, der das kuratieren würde. Und das zweite wäre, mit einem gros­sen Fashion­label wie Comme des GarÇons oder Issey Miyake zusammenzuarbeiten und etwas im Interiorbereich zu machen. Aber das ist natürlich alles sehr weit weg, aber man darf ja auch ein bisschen träumen.

 

www.schoenstaub.com

«Nebula-Kollektion»: Das Badetuch gehört zur ersten Kollektion und ist heute noch immer ein Bestseller.

«Capsule Collection»: In Zusammenarbeit mit enSoie sind nebst Teppichen auch Kissen und Vasen entstanden.

Musterwerk: In Zusammenarbeit mit Terrazzo entstand eine Kollektion aus Beistelltischen und passenden Teppichen.

Exotisch: Für die «Tropicana»-Kollektion nahm Nadja Stäubli erstmals ihre eigenen Fotos als Vorlage.