Und täglich ruft das Experiment

Architektur-Porträt: Verve

Verve Architekten sind Roman Tschachtli (rechts) und Florian Prinz. «Verve» steht für künstlerisch kreative Leichtigkeit und ein positiv beschwingtes Lebensgefühl.

 

Mit dem Verve-Mobil hat für Roman Tschachtli alles begonnen. 2012 hat er den Wohnwagen als mobiles Büro für sein erstes Projekt als selbstständiger Architekt erworben, da das Arbeiten in der 55 m2 kleinen Familienwohnung nicht optimal war. Das Büro auf vier Rädern hat sich bis heute bewährt: In den Projektrealisierungsphasen dient es als ­Arbeitsort, Koordinations- und Austauschzentrale und als Besprechungszimmer. «Es sagt viel darüber aus, wie wir arbeiten – wie wichtig uns die letzte Projektphase ist. Vor Ort zu sein, ermöglicht uns eine stärkere Identifikation mit dem Projekt», erklärt Florian Prinz. Der gebürtige Berliner ist die zweite treibende Kraft bei Verve Architekten. Mit Roman Tschachtli verbindet ihn eine langjährige Freundschaft, die zur ­heutigen Zusammenarbeit führte. Ihr gemeinsamer Motor ist die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Arbeit angehen, der Drang, Neues auszuprobieren und ein Projekt bis ins Detail zu verfolgen.

Das «Verve-Mobil» ist ein Büro auf vier Rädern: In den Projektrealisierungsphasen dient es als ­Arbeitsort, Koordinations- und Austauschzentrale und als Besprechungszimmer.

Bei der Sanierung eines Reiheneinfamilienhauses von Friedrich Marbach – eines wichtigen Vertreters des Berner Heimatstils – konnten Verve Architekten die Bauherrschaft vom Rückbau auf die ursprünglichen Materialien und Raumstrukturen überzeugen. Entstanden sind aussergewöhnlich stimmige Räume, die das heutige Bedürfnis nach Grosszügigkeit berücksichtigen, ohne dem ursprünglichen Charakter des Hauses zu grosse Kompromisse abzuverlangen.

Strukturelle Eingriffe wurden bei der Sanierung des 1892 von Friedrich Marbach erbauten Reiheneinfamilienhauses auf ein Minimum beschränkt. Die neue Küche hält sich trotz Auflösung der Trennwand an den Originalgrundriss.

Die Farbgestaltung im Wohnbereich basiert auf einer Farbgebung aus den 1930er-Jahren. Küche und Bäder hingegen wurden zeitgemäss gestaltet.

Bei einer Schulraumerweiterung in Pieterlen konzipierte Verve einen Modulbau, bei dem innerhalb von fünf Wochen die Dachkrone temporär entfernt, ein Stockwerk aufgesetzt und das Dach wieder übergestülpt werden kann. Und das alles ohne Spenglerarbeiten.

Projekte für undefinierte Bewohner zu entwickeln, möchten die Architekten wenn möglich vermeiden. Nur dann können sie optimal auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen und auf die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs mit der Umgebung und dem Gebäude hinweisen. Etwa beim Bauen im Bestand. «Jedes Haus hat eine Logik. Wir wollen verstehen, weshalb ein Haus auf eine gewisse Weise gebaut worden ist. Was Schmuck, was Funktion ist. So können wir die Qualitäten stärken und die Schwächen eliminieren», so Roman Tschachtli. Die Fähigkeit, zurückzustehen, ist den beiden Architekten ebenso eigen wie zu experimentieren. Wie etwa bei zwei Schulraumerweiterungen, bei denen das Büro Modulbauten entwickelte, die nicht wie üblich als ­Containerbau, sondern als Holzkonstruktion ausgeführt sind. Aktuell arbeitet das Team an einem Ersatzneubau für ein Haus in einem alten Berner Quartier. Hier zeigt sich die Stärke der Architekten, ein Projekt in die Umgebung einzubetten, wie bisherige Reaktionen auf den Entwurf beweisen: Der Neubau wird für einen Umbau gehalten. Ausgeführt wird das Gebäude jedoch wieder ebenso wenig angepasst oder gewöhnlich sein, wie die bisherigen Verve-Projekte.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 1/20 der Zeitschrift Umbauen+Renovieren.